HESO 2020 Wöfu’s Splitter 2
Der Autor in den neunziger Jahren im HESO-Smalltalk mit dem FDP-Politiker Beat Käch – das Hesoli ist als Zuhörer dabei.
Der vergessene grüne Kobold
Ab 1990 gehörte die HESO zu meinem Pflichtenheft als Stadtredaktor. Noch war das Solothurner Gewerbe die Stütze der Herbstmesse: Kneubühler verkaufte Mode und Sport Marbach Ski in der Turnhalle, Niggi Rust brachte seine Spaghetti unter die Leute, Rolf Affolter lud mit seiner Vinothek zum Rebensaft-Text und Hubi Oetterlis Schnauz beherrschte seinen zentralen Kaffeestand. Stars waren schon damals die Berliner der HESO-Becke und draussen vor der Reithalle schenkte Stadtorginal und Fuchsenhöhle-Wirt Ruedi Spillmann sein Bier garniert mit lockeren Sprüchen aus. Noch verkehrte kein HESO-Bähnli und auch der spätere Schanzengraben-Magnet von Urs Bucher sorgte noch nicht für Schlangen von Jugendlichen bis zum Baseltor. Um 21 Uhr war Schluss, punkt. «Feierabend, Feierabend!» schepperte es schon damals aus den Lautsprechern – und wer weiterfeiern wollte, zog eben weiter, runter in die Stadt.
Ein Maskottchen muss her
Dennoch, die Herbstmesse Solothurn suchte unter ihrem damaligen OK-Präsidenten, dem Buchbinder Rolf Christ, nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten. Eine davon: das Maskottchen Hesoli. Ein Schulkind entwarf den stacheligen runden grünen Kastanien-Kobold, der fortan überall zu sehen war. Ab 1993 grassierte eine Pin-Welle nicht nur in Solothurn, und bald prangte das grüne Männchen in x Variationen an den Revers der Hesoisten. Denn «Cheschtene» prasselten regelmässig zur HESO-Zeit auf die Hallendächer und Köpfe davor, und ab dann gabs auch wieder «eissi Marroni» unten auf dem Märetplatz beim Cheschtenemuni. Dazu säumten Rosskastanien das gesamte HESO-Areal. Genug Gründe also für ein ewiges Bestehen des Hesolis – doch weit gefehlt: Eine neue OK-Leitung nach Christ befand das «Mannsgöggeli» als zu kindlich und verbannte es vom offiziellen Erscheinungsbild der Herbstmesse Solothurn. Lediglich die Confiserie Hofer hielt das Hesoli noch jahrzehntelang hoch – zelebriert in Marzipan und Schoggi.

Der Pizza-Pin des «Sternen», extra kreiert für die HESO.
Eine verschwundene Welt
Beim Kramen in der Pin-Schachtel fiel mir auch ein ganz spezieller HESO-Anstecker in die Hände: Ein grünes Hesoli rast mit einer Pizza und einem Service-Tablett auf den Betrachter zu. Und es wird mir weh ums Herz. «Pizzeria Sternen» ist unter dem stachligen Kobold zu lesen. Denn In den frühen Jahren der HESO gehörten die stadtbekannten Sternen-Pizzen der Familie Bernasconi noch zum gastronomischen Muss einer HESO-Visite drüben auf der Chantierwiese. Die Pizza (Originalrezept der Redaktion bekannt) ist seit dem Mai Geschichte. Genauso wie die unwiederbringliche Quartierbeiz Sternen. Und damit eine weitere Spezialität, die mit dem Hesoli weit mehr zu tun hat als die Quattro Stagioni und Co. – der Coupe Nesselrode. Das Elaborat aus feinen Marroni-Würmli, Meringue, Nidle und Vanille-Glace rettete mir manchen grauen Herbst- und Winterabend im «Sternen». Doch auch der Coupe Nesselrode ist aus meinem Leben verschwunden – nur noch leise lacht das stachlige Hesoli vor sich hin, droben auf dem Estrich in der Kartonschachtel, versteckt und vergessen.

