HESO 2020 Wöfu’s Splitter 4
Mit einem Apfel fing alles an – doch darauf beschränken sollte sich der Vorrat nicht.
Die HESO als Lehrplätz
Angemacht wirst Du an der HESO. Angefixt – überall. Die Kantonspolizei hat schon mal einen Trickdieb engagiert, um zu zeigen, wie einfach man Dir das Geld aus der Tasche ziehen kann. Einfacher geht’s nur noch per Radar. Im «Nightstyle» von Harri Kunz hast Du aber auch gelernt, dass der allerletzte Gin Tonic nicht der beste gewesen sein muss. Auch wenn er noch so spendiert war. Die Erfahrungswelt zwischen Chantier und Schanzengraben. Es gibt Typen, die mümmeln ganze Nachmittage lang bei Hugi, Affolter oder Sascha Haenschke edle Tropfen, nur um herauszufinden, was noch im Keller fehlt. Oder auch einfach nur, um ein «Damerüüschli» zusammen zu schlürfen. Etwas bringt man immer heim von der HESO – sofern sie denn stattfindet.
Warum die Cervelat zur Prominenz gehört
Eine Schieberrunde am Jasstisch der «Solothurner Zeitung» war ja ganz okay, aber für einen Foodpicker wie mich gibt’s an der HESO besseres als Stöck, Wys, Stich. Die Rede ist hier nicht von den unzähligen Aperos vor allem am Behördentag, und auch das obligate Fondue an diesem Abend bei Tropical-Biker Reto Burki sei hier für einmal Nebensache. Denn nebenan, in der Reithalle, gabs für einige Jahre am AEK-Stand eine regelrechte fatal attraction. Sie war kess, blond und redegewandt, und ob all dem sah man ihr sogar ihren Rüebliländer Slang nach. Sie hiess Ka. Und versammelte jeden HESO-Abend Menschentrauben um sich – da konnten Hugi und Co. zusammenpacken. Ka’s Konzept war simpel: Zwei Teams, zwei Kochherde, zwei Warenkörbe. Innert kurz bemessener Zeit musste aus dem Warenkorb eine Art Menü gebastelt werden. Ich hatte einmal die Ehre. Und bin zuhause ein Küchentiger erster Güte. Aber bei Ka – da flatterten die Nerven. Für die allermeisten Teams hatte sie sich Promis rausgepickt. Zweit- und drittklassige zwar – was eben Solothurn an einer HESO so hergibt. Und dank Ka erschloss sich mir endlich der Begriff «Cervelat-Prominenz»: Die meisten Prominenten können bei umgebundener Küchenschürze nicht mehr sehr viel mit sich anfangen. Weil sich ihre Kochpraxis im Drehen eines aufgespiessten Cervelats über dem offenen Feuer erschöpft. Für mehr gäbe es Kurse. Wenden Sie sich dafür an den Chuchilade ihres Vertrauens.
Schätze im ewigen Eis
Seit der Mensch isst – es fing alles mit einem Apfel an – gilt seine Sorge stets dem einen: Genug auf der Seite zu haben, wenn die Zeiten schwierig werden. Plötzlich bist Du in Quarantäne und willst Deine Freunde nicht alle Tage mit Einkaufszetteln behelligen. Improvisieren ist angesagt, wie bei Ka am HESO-Stand. Was haben wir noch in der Tiefkühltruhe, im (Kühl)schrank ausser dem unabdingbaren Dosenbier? Der Weinkeller birgt noch einige Flaschen von der letztjährigen HESO her. Auch sonst sieht es nicht so schlecht aus. Das hat mit Strategie zu tun. Zweimal nacheinander dasselbe ist ein no Go. Deshalb werden Reste prinzipiell eingefroren. So fand sich derzeit eine Portion Risotto ebenso wie ein Waadtländer Lauchgemüse; die köstliche Salbeirolle, eine selbstgemachte Pasta-Spezialität, harrt noch ihres Verspeisens. Selbst kreierte Bolo-Sauce ist stets reichlich auf Vorrat, dazu gewisse Fonds oder sogar ein Spargelsud für ein entsprechendes Süppli. Aha, und drei Tranchen gefüllte Kalbsbrust home made stecken ebenso noch im ewigen Eis wie ein Beutel Semmelknödel. Von der ersten Pilzschwemme dieses Herbsts ganz zu schweigen. Es fehlt uns eigentlich an nichts.
Dazu kommt eine Marotte: Sehe ich etwas Ungewöhnliches, das nicht jederzeit zu haben ist, aber nicht gerade auf den Speiseplan kommt, so wird zugeschlagen. Und ab in den Vorrat. Derzeit im Keller: Lamm- und Hirschhaxli, oben im Kühlschrank auch zwei Päckli Milken. Zu dumm nur, haben wir keine Pastetli eingelagert. Aber eine Rolle Blätterteig für Feuilletes schon.
Ob Cervelat-Prominenz oder nicht, dass entscheidet für mich der Blick in die Kühlzone. Er zeige mir den Schrank oder die Truhe – und ich sage ihm, wer er isst.

