HESO 2020 Wöfu’s Splitter 5

Die HESO verleiht den Säuli Flügel!

 

Was Säuli Flügel verleiht

So schön war der Schanzengraben noch nie. Und so ruhig auch nicht. Schööfli weiden lassen könnte man dort unten. Keine Bike days, vor allem aber kein Säulirennen und Schwingerzelt, nirgends ein Red Grizzly Saloon. Der Schanzengraben hat dieses Jahr Schwein gehabt. Oder eben nicht. Auch gestreichelt wird im Zoo nirgends. Und bei den Bio-Bauern erübrigt sich die zuletzt latente Feierabenddiskussion um den After-Apero-Snack: Wirklich Hamburger statt die traditionelle, herzhafte Schweinsbratwurst? Säuli dafür hätte es draussen im Graben stets genug gegeben. Auch wenn einige von ihnen vor ihrem Ableben herumrennen mussten, durften – oder je nach Sichtweise ­- auch konnten. Bevor die Säuli «Flügeli fassten», durften sie noch regelrecht die Sau rauslassen. Ein gutgelauntes Publikum verlieh ihnen förmlich Flügel, einpeitschender Sound halft ihnen beim Bolzen durch die Spitzkehre. Doch Moderator Marco Lupi wusste stets um die Tücken des Rennens: Nicht das vermeintlich erste Borstenvieh im Ziel hatte gesiegt, sondern dasjenige, welches zuerst aus dem Futtertrog frass. Und so gabs manche Enttäuschung im wettfiebrigen Publikum angesichts der ewigen Einsicht: Fressen kommt vor der Moral!

From nose to tail

Ja das Fressen kommt vor der Moral. Als bekennender Carnivar muss ich gestehen: Bei jedem Säulirennen isst das Auge mit dabei. Denn so ein Säuli kann man von Kopf bis Fuss reinziehen, oder wie die Engländer sagen, «from nose to tail». Ein Schnörli in der Erbssuppe, geschmorte Bäckli oder Pfoten wie im Pariser In-Lokal Pied de Cochon schon gehabt, aber auch ein ganz triviales Schwänzli – wer einmal solche schweinische Gedanken umsetzt, dem ist es pudelwohl dabei. Die Faszination des Filets verblasst beim Schwein vor all den Köstlichkeiten der angeblich minderen Art. Blut und Leberwurst, ein Gedicht. Und vor allem jüngere Kolleginnen «tschuderets» wohl noch heute, wenn sie an meine frühere Abendverpflegung vor dem Antritt zum Nachtdienst auf der Redaktion denken: eine zünftige Tranche Schwartenmagen mit höchstens gleichviel Brot. Einfach köstlich!

 

Auch sie sinniert über den Sinn des Schweinseins.

 

Feiss macht heiss

Früher war der Speck mehr weiss und feiss als rot und tot. Heute ist Fett verpönt. Die Magersucht hat nicht nur auf dem Laufsteg bei den Models Einzug gehalten, sondern auch in den Stallungen der Säuli. Und wenn noch Fett da wäre, schneidet es der brave Metzgersmann weg. Zum Beispiel beim – nein, nicht nett, so ein Kotelett! Dabei ging es auch anders. Die Anekdote dazu: Vor knapp zwei Jahren lagen in der Auslage meines Märetmetzgers des Vertrauens zwei drei ungewöhnliche Koteletts, die die jede linienbewusste Dame in Hysterie versetzt hätten. Denn dort, wo nach dem Fleisch sonst nichts mehr kommt, war ein blanker, weisser Fettrand geblieben, verschont vom Ausbeinmesser. «Das sind Metzgerkoteletts. Die hat ein Gastronom bestellt, und zwei drei sind übriggeblieben. Wird wohl niemand wollen.» Er irrte sich, mein Metzger. Ich kaufte alle. Sie waren göttlich auf dem Grill, sozusagen eine neue Kotelett-Dimension. Ich appellierte an das Metzgersgewissen, die Dinger ja weiter zu führen. Und erwarb mir sofort einige, als ich meine erste Lockdown-Shoppingtour unternahm.

Schon ab 12 Franken das Kilo gibt’s die Voraussetzung für eine weitere Köstlichkeit: Schweinebrust oder -bauch. Aber bitte mit Schwarte! Die Bayern verstehen es, daraus einen sensationellen Krustenbraten mit rautenförmig eingeschnittener, krosser Kruste zu zaubern. Das Dumme ist nur, jeder hat da so seine Methode. Meine gefüllte Variante auf dem Drehspiess kann ich nicht empfehlen – weil wohl niemand ein solches Gerät im Garten hat. Aber einfach mal googeln. Krrrrustenbraaten!

Freuen wir uns auf die nächste HESO. Wenn sie stattfindet, haben wir Schwein gehabt!

 

Wöfus gefüllter Krustenbraten vom Drehspiess.